Life-Science

Randy Newman – Lonely at the Top

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Peter Sloterdijk über Ökonomie

„Je unwissenschaftlicher eine Wissenschaft ist, umso mathematischer wird sie.“

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HowTo: Emails verschlüsseln

End-to-End Mailverschlüsselung ist nicht gerade Alltag. Das liegt unter anderem daran, dass Hersteller von Email Clients diese Technik nicht per default in ihre Programme einbauen. An sich ist das Verschlüsseln von Mails keine Raketenwissenschaft. Für Ahnungslose und Nichtsverberger sind vor Allem drei Hürden zu überwinden.

1. Warum soll ich verschlüsseln? Und: Mein Provider macht das schon.

Falsch. Wer seine Emails nicht verschlüsselt, der schickt sie auch im Klartext durchs Netz. Wenn ein Angreifer Zugriff auf Dein Postfach bekommt, kann er Deine Emails lesen.

“End-to-End” Verschlüsselung heisst: zwischen Deinem Rechner und dem Rechner des Empfängers, sieht jeder potenzielle Angreifer nur noch Zeichensalat:

—–BEGIN PGP MESSAGE—–
Charset: ISO-8859-15
Version: GnuPG v2.0.20 (MingW32)
Comment: Using GnuPG with Thunderbird - http://www.enigmail.net/

hQEMA2dKb/+s7u4oAQgA1SejGyNf9gl2neAj7w6pikhaCTyti0xaNl8HwLxeBmoo
qM7DkF5K+zRBovW0TiaRdHhUcqrpkcCPNm7o860JLo5KnIb3ZzSuzkQZlCyQUWaM
t3mYCkwuP9GzXT017eWKVVi9ZQw1rK4h++lLI8vSGtZF/H3FuDH6YCESxIxvMJCB
eoO6VTWpzb9XTBXzMnn5VqFk6VJaE/JW0orB4CCIEUm6tbZAUxpDeXdOv1Vfonsm
pfLx/3IWU8LbUmcab8WxJtDUDE88apyE2y6rdRxNZampwdv4tVKHrjekyNWZ2QHJ
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VgLAJrjaEauWrjgw6twW+52BRERyd/46DgQruW1PCvp7+1eLQyfatDxIConq/d6c
kyyfZe+ew+naDJWi11yoO2bBJ5d7bNa3KsPHhG1+/z/3pidrK3F0V3TwoXj8y6r5
gUnTtkK4cYmVYoF5hfDSwE0BuHnybpCvY7uGCvE2f3u8tPpgIHWadeSl0tbQ0/oT
rjmcNiJ7xGpNqgQZ9SuB+cZxdcyCKPI1lwb9zbbWHPWQT4jHMUGQ+EPi9s27Kyk9
2I9X3bNmElFU6Lr+GdL/V9MFUXquhaeLhSIYjqxJzR0fUbjTR2b0WNWysJUKwV17
FxoAaS4kWY4Vx+T/NlFYUsUH1HKDewIz0JqVR5PFK6hhpt1HGx9i5RHu3DoB2o1L
NSvn5F0Pr2bwHKp4XGLnou/ubUP0rNlFonZ5eZW036h6ZixY7plrKAP+dUk5ypaQ
73ViT7J4C7vOgxGLhE9sZbbyclCxYaNkhQNQybuwnPYPcK9tdpKtdSaNah6ufg==
=DhYt
—–END PGP MESSAGE—–

Hier ist es egal, ob jemand Deine Mails ausschnüffelt. Lesen kann er sie nicht. Schönen Gruß an #prism.

2. Wie funktionierts?

Der entscheidende Punkt: Jeder bekommt zwei Schlüssel, einen öffentlichen und einen privaten. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um einen Schlüssel (privat) und ein Schloss (öffentlich). Ein Absender, der Dir eine verschlüsselte Email schreiben will, braucht Deinen öffentlichen Schlüssel (also das Schloss).

Per Post würde das ungefähr so funktionieren: Ich gebe Dir ein Vorhänge-Schloss, Du packst mir ein Päckchen und klickst das Vorhängeschloss, um es zu verschliessen. Dann schickst Du es mir per Post zu und ich öffne es mit meinem privaten Schlüssel. Wer auch immer unterwegs die Nase reinstecken will, kann das nicht, weil nur ich den Schlüssel (private key)zum Schloss (public key) besitze.

3. Wie mach ich das jetzt?

  • Zuerst installiert Ihr GnuPGP auf Eurem System. Was man dazu braucht gibt’s hier: http://www.gnupg.org. Für Windows installiert Ihr gpg4win, für den Mac GPGTools, Linuxsysteme haben das schon an Board.

    Dieses Tool richtet einen GPG Schlüsselbund ein, in dem alle öffentlichen und Eure privaten Schlüssel verwaltet werden. Auf dem Mac sieht der so aus:

GNU

  • Hier könnt Ihr jetzt Euer eigenes Schlüsselpaar erstellen. In der Menüleiste klickt Ihr dazu auf 1. Schlüssel und 2. Erstellen. Ihr wählt die Mailadresse, mit der Ihr Euch ab sofort identifizieren wollt und erstellt Euer Schlüsselpaar. Mit einer Passphrase schützt ihr Euren privaten Schlüssel. Die Passphrase ist das Passwort zu Euerem Schlüssel und sollte nicht gerade „Mutti“ lauten.

  • Den öffentlichen Schlüssel [pub] legt ihr griffbereit, vielleicht auf den Desktop. Den bekommen Alle Eure Mailpartner oder ihr postet ihn am Besten in Euer Blog, damit jeder ihn ohne Mühe finden kann.

  • Jetzt muss nur noch Euer Email Client GnuGPG lernen. Für Thunderbird installiert Ihr das Addon Enigmail, ich benutze Postbox, dafür gibt’s dieselbe Erweiterung in den Extensions. Für Mac Mail gibt es GPGMail. Die Erweiterung laden, anklicken, installieren. Fertig. Neustart!

4. Email verfassen

Ist jetzt ganz simpel, vorausgesetzt, ihr habt den public key des Adressaten in den GPG Schlüsselbund importiert [Doppelklick auf seine *.asc Datei]. Hier am Beispiel von Postbox. Ihr verfasst ganz normal Euere Email. Neben einem neuen Reiter in der Menüleiste findet ihr jetzt am unteren Ende des Fensters einen kleinen Schlüssel.

GNUMail1

Den klickt Ihr an und verschickt Eure Nachricht. Je nach Einstellung müsst Ihr dazu die Passphrase angeben, die Ihr Euch gerade ausgedacht habt. Trifft die Nachricht beim Empfänger ein, fordert GNUgpg dessen Passphrase, ansonsten gibt die Mail ihren Inhalt nicht Preis.

GNUMail2

P.s. Und sonst so?

Je mehr Leute das machen, umso schöner wird die Welt und umso mehr ärgern sich die Schnüffler. Verschlüsselter Mailverkehr per GNUgpg funktioniert nur dann, wenn Andere ebenfalls verschlüsseln und ihre public keys – am besten ungefragt – zur Verfügung stellen. Also los: Make the World a lot more pleasent!

politics

Warum Du regiert wirst und von wem!

Der Soziologe Michael Hartmann zu Ergebnissen der Elitenforschung. Sehr sehenswert!

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Störsender.tv – Benefizgala, Teil 1

politics

Mindestlohn: Juristische Einwände, die keine sind

In der (gedruckten) SZ gibt es heute einen bemerkenswerten Beitrag des Heidelberger Juristen Thomas Lobinger zum Mindestlohn. Titel:

Überforderter Staat. Was in der politischen Debatte um den Mindestlohn leicht übersehen wird: Vor dem Grundgesetz ist er schwer zu rechtfertigen.“ (SZ, 06. Juni 2013, S.2)

Interessant ist der Beitrag, weil er vorgibt, juristisch argumentieren zu wollen, in Wirklichkeit aber politisches Gegenfeuer aufwärmt. Thomas Lobingers  „juristische“ Bedenken im Detail:

1. Mindestlöhne wären ein illegitimer Eingriff in die Berufs- und Vertragsfreiheit. Klingt juristisch? Ist es aber nicht. Lobinger argumentiert: Ein solcher Eingriff würde in der Folge Jobs gefährden. Dieses Argument kennen wir bereits aus zahllosen FDP Auftritten. Empirische Evidenz für den Zusammenhang zwischen Lohnniveau und Arbeitslosigkeit gibt es nach wie vor nicht, auch wenn viele Monetaristen hilflos danach suchen (FR).

2. Mindestlöhne wären ein Verstoß gegen das Sozialstaatsprinzip. Die Garantie einer menschenwürdigen Existenz sei Sache des Staates und nicht des einzelnen Unternehmers. Im Klartext: Wenn Unternehmen Löhne zahlen, von denen Arbeitnehmer nicht leben können, dann ist das eine Angelegenheit des Staates, nicht des jeweiligen Unternehmens, denn – hier kommt es noch dicker – Lobinger sieht in der Einführung von Mindestlöhnen auch

3. Eine Verletzung des „Gleichbehandlungsgrundsatzes“, ein skurriles Argument, mit dem Lobinger kurzerhand das abschafft, was bis dato „Wettbewerb“ war. Lobinger meint, ein Mindestlohn träfe vor allem diejenigen Unternehmer

„… die aus ökonomischen Gründen eigentlich unterhalb des Mindestlohnes bleiben müssten.“

Will heißen: erfolgreichen Unternehmen macht die Lohnuntergrenze nichts aus. Erfolglose Unternehmen jedoch, würden über die Löhne gefährlich unter Druck gesetzt; unabhängig davon übrigens, ob ihr Geschäftsmodell trägt, das Unternehmen mißwirtschaftet oder vielleicht über den Umweg von Billigjobs einfach die Insolvenz verschleppt. Wettbewerb und Marktbereinigung gibt es in Lobingers „juristischer“ Argumentation nicht. Erfolglosen Unternehmern ist es einfach – vermutlich irgendwie auch juristisch – nicht zuzumuten, existenzsichernde Löhne zu zahlen. Vielleicht will Lobinger auch die Preise an Rohstoff- und Zuliefermärkten staatlich subventionieren?

4. Mindestlöhne sind der Tod der Tarifautonomie. Denn, so Lobinger, insofern Gewerkschaften Mindestlöhne verhandelten und das nicht nur für ihre Mitglieder, sondern frecherweise für Alle tun, dann gibt es keinen Grund für Arbeitnehmer, sich noch zu assoziieren und die Tarifautonomie wäre im Eimer.

Generell lässt sich sagen, dass diese – ähm … juristische – Auseinandersetzung mit dem Thema überdies von einigen eklatanten Fehleinschätzungen ausgeht:

Arbeitsmärkte sind Machtbeziehungen

So sind Arbeitsmärkte keine optimalen Märkte, sie sind „vermachtet“. Die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist eben kein freies Spiel der Kräfte Angebot und Nachfrage. Zudem führen staatliche Institutionen wie Arbeitsagenturen gerade dem Billiglohnbereich seine Billiglöhner unter Zwang zu.

Mindestlohn ist kein Einheitslohn

Ausserdem verwechselt Lobinger die avisierte Lohnuntergrenze mit einem „Einheits- oder Durchschnittslohn“, ein beliebtes Missverständnis der Gegner. Es geht eben um eine Untergrenze, nicht darum, dass staatliche Institutionen dauerhaft Löhne festlegen sollen. Das entkräftet vor allem Lobingers Argument vom Ende der Tarifautonomie: Jenseits der Lohnuntergrenze können Tarifpartner verhandeln was sie wollen. Vielleicht wäre es sogar eher ein Argument „für“ eine Mitgliedschaft in Gewerkschaften, wenn diese bei Tarifverhandlungen wieder flächendeckend sinnvolle Zahlen im Hinterkopf hätten.

Verlagerung unternehmerischer Risiken auf Beschäftigte

Das Argument, nicht wettbewerbsfähige Unternehmen müssten um jeden Preis und auch zu Ungunsten Beschäftigter erhalten bleiben, spricht der Verlagerung unternehmerischer Risiken auf die Beschäftigten das Wort. Die Lohnuntergrenze will ja gerade die negativen Effekte dieser für Beschäftigte seit Jahren ungünstigen Entwicklung mildern.

Lobingers Artikel ist in mancherlei Hinsicht ärgerlich. Vor allem aber, weil ein juristischer Abriss der Möglichkeiten eines Mindestlohnes wirklich interessant wäre. Diese Expertise behält der Jurist lieber für sich und gibt sich stattdessen der hinlänglich bekannten Propaganda hin.

Wellenreiter

‚We Are The 99 Percent': Tom Morello, Serj Tankian & Tim McIlrath

Frankfurt soll ganz entzückend sein zu dieser Jahreszeit.

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Wettbewerb, Konkurrenz, Verdrängung: Wirtschaft ist kein Fußballturnier

Das neoliberale Superprojekt Euro steht vor dem Aus. Für eine Stabilisierung (z.B. eine Harmonisierung nationaler Inflationsraten) fehlen politischer Wille, institutionelle Voraussetzungen und wie man mehr und mehr hört, makroökonomischer Sachverstand. Das scheint in besonderer Weise auch auf den deutschen "Qualitätsjournalismus" zuzutreffen. Ein Beispiel.

Wettbewerbsfähigkeit als "survival of the fittest"

„Welche Volkswirtschaft hat die größte Wettbewerbsfähigkeit?“ fragte kürzlich das Handelsblatt in einem Teasertext. Für Spiegel Online ist der Wettbewerb der Industrieländer ohnehin seit Jahren ein Rennen, Stoßstange an Stoßstange: US-Wirtschaft hängt Euro-Zone ab, schrillt der Alarm beim Boxenstopp. Und bei Zeit Online ist Wettbewerbsfähigkeit lediglich ein Synonym für "Konkurrenzfähigkeit".

Wettbewerbsfähigkeit = Konkurrenzfähigkeit?

Diese Beispiele machen deutlich, welchen Einfluss betriebswirtschaftliches Denken auf die Meinungsbildung hat. Was ist die Wettbewerbsfähigkeit der Staaten? Makroökonomisch ist es die Fähigkeit eines Wirtschaftsraumes, am internationalen Markt für Waren und Dienstleistungen teilzunehmen, d.h. die eigenen Kosten einzuspielen und dazu eine Rendite zu erwirtschaften. Sonst nix.

Makroökonomischer Wettbewerb zielt gerade nicht darauf ab, den Rest der Welt in Grund und Boden zu konkurrieren. Dieses Konkurrenzprinzip gehört in die Welt der Unternehmen. Hier ist das Biotop von Konkurrenz und Verdrängung – und selbst das innerhalb von Beschränkungen, anderenfalls bräuchten wir kein Kartellrecht.

Unternehmen sollen in einer Marktwirtschaft Produkte und Technologien entwickeln, sie marktreif machen und verkaufen, sich gegen andere behaupten, durchsetzen und im Falle krasser Fehlentscheidungen eben untergehen. Beschäftige suchen sich im Idealfall eine neue Stelle. Und auf der Ebene der Saaten?

Was passiert, wenn der potenteste Marktteilnehmer die anderen nicht nur abgehängt, sondern eines Tages abgeräumt hat? Was geschieht mit den Marktteilnehmern, die im Wettbewerb besiegt wurden? Und schließlich: wer kauft die Produkte des Gewinners nach seinem einsamen Sieg?

Länder sollen kooperieren, nicht konkurrieren

Wer Wettbewerbsfähigkeit mit Konkurrenz- oder Verdrängungsfähigkeit verwechselt, der votiert für Handelskriege, Autarkie und missachtet das konstituierende Prinzip von Gesellschaften, auch auf internationaler Ebene – das Prinzip der Arbeitsteilung.

Auch wenn es gerade deutsche Medien gerne anders hätten: Wirtschaft ist kein Fußballturnier, kein Autorennen, bei dem es darum geht, die anderen aus dem Turnier zu kegeln, um am Ende auf dem Siegertreppchen zu stehen und die Hymne zu singen. Was für eine dämliche Vorstellung auch.

Life-Science

Spree

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Schlaflied für K.

Nacht oder Tag oder jetzt
Will ich bei dir liegen
Vom schlimmsten Frieden gehetzt
Zwischen zwei Kriegen

Ich oder wir oder du
Denken ohne Gedanken
Schließ deine Augen zu
Siehst du die Städte schwanken

In den Traum oder Tod oder Schlaf
Komm in den Steingarten
wo ich dich nie traf
will ich jetzt auf dich warten.

Thomas Brasch